Taubenauflauf | kurze Wege gehen Vögel auch gerne mal zu Fuß

BEWEGUNG MACHT MEHR SPAß ALS KEINE BEWEGUNG | Kunst+Technik


Taubenauflauf | kurze Wege gehen Vögel auch gerne mal zu Fuß
wir bauen mechanische Tauben
ein Kunst+Technik-Projekt

Projektwoche mit der Jül-Klasse und Frau Klausnitzer
Hauptmann von Köpenick Grundschule | Berlin-Köpenick

ein Kunst & Technik-Projekt
von Christian Bilger und Julia Ziegler
28. September- 2. Oktober 2020

gefördert durch Mittel des
projektfonds kulturelle bildung berlin
Kulturamt Köpenick

Taubenauflauf from Christian Bilger on Vimeo.


PDF | Taubenauflauf


THEMA
Der Titelsatz wird niemanden verwundern. Schließlich sehen wir sie auch mitten in Berlin alle Tage überall geschäftig am Boden: täglich laufen uns Tauben über den Weg, in der Parkwiese stolzieren Krähen und weiden Stare, Amseln graben nach Würmern, und um unsere Füße und Stuhlbeine im Cafe hüpfen die Spatzen und zanken um Kuchenkrümel. Am Spreeufer watscheln Enten und Schwäne zum Wasser. Nur rennen sieht man sie selten oder nie. Das Schöne dabei: jede Vogelart bewegt sich anders. Das können wir zu Beginn beobachten (draußen / per Film) und selbst nachmachen. Ob die Mitschüler*innen es erraten können, wenn ein Kind einen Storch mimt? Tauben jedenfalls sind leicht zu erraten.
Der Gang der Tauben wirkt auf uns bemitleidenswert mühselig und anstrengend, Wird denen nicht schwindelig bei dem Hin- und Her Geruckel? Im Gegenteil. In Wirklichkeit bewegen sie ihren Kopf nach vorne, wo er bleibt, bis der Körper nachgeholt ist. So stabilisieren sie ihr Blickfeld, können besser fixieren und sich orientieren. Wenn wir Zug fahren, machen wir mit den Augen das Gleiche, schwingen uns von Fixpunkt zu Fixpunkt. Tauben können die Augen nicht bewegen wie wir, sie können keine Sakkaden.
Darum also nicken Tauben beim Gehen ständig mit dem Kopf. Und Fliegen wäre für ihre jeweiligen Vorhaben einfach zu schnell, zu kraftaufwändig, zu unpraktisch. Und es gibt noch viel mehr über sie zu erfahren.

PRAXIS
Jedes Kind baut eine Taube zum Schieben. Gemeinsam können wir dann Hauptbahnhof spielen. Jede Taube hat Räderbeine, ein Mechanismus berührt die locker gelagerte Kopf-Hals-Einheit und bewirkt das typische Nicken. Eine Feder schleudert den Kopf zurück nach Vorn, ein Gewicht hilft nach, dann kommt wieder der Zahnradimpuls in die entgegengesetzte Richtung. Natürlich gleicht keine Taube der anderen. Das werden die Kinder beim genauen Beobachten feststellen. Die rötlichen und grünlichen Töne, die an Hals und Bauch vorkommen, verdienen Beachtung. Es gibt weiße Tauben mit rehbraunen Sprengseln, schiefergraue Exemplare und fast gestreifte Tiere. Auch ist nicht jeder Schnabel gleich geformt. Es gibt Ringeltauben, Turteltauben und Waldtauben. Tauben sind hübscher als man denkt. Sie können zur Plage werden, weshalb man sie gelegentlich "vergrämt" mittels "Taubenvergrämung", was eine unvergleichliche Vokabel ist. Ab jetzt werden die Kinder vielen Tauben begegnen, denn sie werden nicht in der Lage sein, eine zu übersehen.

Zuerst analysieren wir einfache Bewegungsmuster anhand von mitgebrachtem beweglichem Spielzeug. Wir reflektieren die einfachen Bewegungsgesetze: wie funktionieren Kurbel, Pfeil, Wippe, Pendel, Kreisel... was bedeuten Antrieb, Reibung, Fliehkraft, Hebel, Stabilität. Dann prüfen wir die Theorie in der Praxis. Wir brauchen für die Räder die Kreisfräse, die Körperteile der Tauben sägen wir mit der Laubsäge aus, für das Gestell (gerade Schnitte) gibt es japanische Sägen und zum Zusammenbau ( Bohren und Schrauben) die Akkuschrauber. Alles muss gut geschliffen sein. Beim Bauen erlernen die Schüler handwerkliche Techniken und den Umgang mit den Werkzeugen. Die Figuren werden bemalt.

Ein großformatiges Kunst/Werkbuch für technische Skizzen, gestalterische Entwürfe, Bilder, Fotos und Geschichten begleitet die praktische Arbeit. Wir werden selbst erlebte Taubengeschichten sammeln und aufschreiben, oder Bildergeschichten zeichnen. Die Arbeit am Werkbuch kann auch ein erholsamer Rückzug sein, und es bleibt als Erinnerung.

PRÄSENTATION
Der Taubenschwarm geht im Schulhof spazieren. Am Schluss nimmt jedes Kind sein neues Haustier mit nach Hause.